Liaedin


Der heiße, weiße Stern von Liaedin brennt mit einer grellen, aktinischen Härte auf die Oberfläche der Schneider Kolonie herab. Seine Einwohner haben gelernt, sich vor diesem Licht zu verbergen. Besonders in den Mittagsstunden ist dies notwendig, wenn man gefährliche Hautkrebserkrankungen vermeiden will. Das geflügelte Wort der Einheimischen für eine Fahrt draußen in der Mittagssonne ist, eine Einladung des 'Todes von oben' anzunehmen. Die dortige Bevölkerung hat dem Leben und dem Tod gegenüber eine sehr zuversichtliche Einstellung, da sie in den letzten paar hundert Jahren einem weitaus schlimmeren 'Tod von oben' ausgesetzt worden sind, als nur des Sonnenlichtes.

Auf der Schneider Kolonie wurden in der Vergangenheit viele Sternenhäfen gebaut, und New Cousens ist nur die jüngste in einer langen Reihe an Hauptstädten. Die Überreste einiger der anderen, kann man hier und da in der Landschaft finden, verstreut zwischen radioaktiven Kratern und Einschlaglöchern von anderen Trümmern, die von den fast ununterbrochenen, kleineren Gefechten herrühren, die zwischen der Föderation und dem Imperium um den Planeten ausgetragen werden. Der Planet wird in den meisten Büchereien als 'umstritten' katalogisiert. Die Wahrheit dagegen ist, daß sich die Bevölkerung in einem fast ununterbrochenen Bürgerkrieg befindet, und weder die Föderation noch das Imperium scheinen besonders daran interessiert zu sein, diesen Zustand zu ändern.

Die brennende Oberfläche von New Cousens fördert eine sehr fruchtbare Form des dortigen Lebens, mit einem sehr schnellen Wachstumskreislauf. Manche Pflanzen wachsen innerhalb eines einzigen Tages von einem Samen zu einer voll ausgewachsenen Pflanze heran, pflanzen sich fort und verwelken dann, da sie von der Mittagssonne verbrannt werden. Feldfrüchte der Erde haben sich nicht besonders gut an das rauhe Klima angepaßt, und die meisten Bewohner der Kolonie leben von hydroponischen Pflanzen, die unter gefiltertem Licht in abgedunkelten, geschützten Gewächshäusern gezüchtet werden. Es gibt nur wenige große Tiere, die auf der Welt heimisch sind. Das größte bisher entdeckte Tier ist ein Erdwurm, der 20 Meter lang ist und die tropischen Wüsten bewohnt, die sich in zwei Streifen südlich und nördlich der planetaren Pole entlangziehen.

Die Anwesenheit der riesengroßen Würmer in den Wüsten der Schneider Kolonie wurde durch die erstaunlichen, metallhaltigen Muster aufgedeckt, die während der ursprünglichen Umlaufbahn der Welt, die von Theodore Schneider ausgeführt wurde, entdeckt wurden. Er war der Meinung, die komplizierten Muster seien das Werk einer einheimischen Intelligenz, die den Astronauten, die zu Besuch kamen, Botschaften übermitteln wollte. Als schließlich entdeckt wurde, daß es sich bei den Mustern lediglich um die Abfallprodukte eines einheimischen Wurmes handelte, der weniger Intelligenz besitzt als ein durchschnittlicher Hund, gab Schneider seinen Anspruch auf die Welt auf und machte sich auf die Suche nach einer wahren, außerirdischen Intelligenz.

Theodore Schneider hinterließ die Kolonie in den Händen von zwei Familien, den Blossoms und den Faveols. Die Blossom Familie verpflichtete eine Gruppe planetarer Ingenieure, die mit der Ausbeutung der ausgesprochen mineralhaltigen Meere beauftragt wurde. Die Faveols führten die Technologie des Imperiums ein und züchteten einen Zwitterwurm, der sich tiefer in die Wüsten eingrub, und die mit Mineralien angereicherte Erde aufgrub. Die Faveols hinterlassen bei ihren Grabungen unter der Erde eine Spur angereicherter Erze, die problemlos mit den einfachsten Maschinen geschürft werden können. Die Geheimnisse der Meeresminen und der Jagdwürmer werden sorgfältig gehütet und von einer Generation auf die nächste weitervererbt. Sie sind ohne Zweifel die bestgehüteten Geheimnisse auf dem Planeten.

Es ist inzwischen zur Tradition geworden, sich entweder an das Imperium (die Nachkommen der Faveols) oder an die Föderation (die Erben der Blossoms) um Hilfe zu wenden, wenn es auch nur zu der geringsten Übertretung der verworrenen, territorialen Gesetze auf der Schneider Kolonie kommt, oder wenn die Quoten der Mineralausbeutung von einer der beiden Familien überschritten werden. Die Föderation und das Imperium scheinen beide vollkommen damit einverstanden zu sein, den Disput fortzusetzen, vielleicht weil sie die Kämpfe als Prüfstand für ihre neue militärische Ausrüstung benutzen können, ohne daß sie dabei die Gefahr eines Konfliktes in einem wohlhabenderen Teil des Universums eingehen.

Die Föderation hat eine kleine, ständig anwesende Armeeinheit in Wilson Base auf dem Ulrich's Rock stationiert, während das Imperium Moore's World und den kleinen Sternenhafen in Smith Town übernommen hat. Besucher einer dieser Welten sollten sich darüber im klaren sein, daß andauernde Spannungen und sehr heikle, politische Zustände vorherrschen, die dafür sorgen, daß es zu keinem ausgewachsenen Krieg in dieser Welt kommt. Sorgen Sie dafür, daß Ihre sämtlichen Dokumente auf dem neuesten Stand und bis auf die letzten Einzelheiten genau ausgefüllt sind, bevor Sie sich in dieses System vorwagen. Frontier: Elite II – The Gazetteer

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