~~CLOSETOC~~

Hengist Duval


Hengist Duval (3163-3301) war der 15. Herrscher des Imperiums. Er wurde am Tag seiner Vermählung mit Florence Lavigny ermordet.

Hengist regierte das Reich in Zeiten des Umbruchs. Der imperiale Senat gewann zunehmend an Macht, ein Prozess, der bereits während der langen Krankheit von Hengists Vater Hesketh eingesetzt hatte. Die Entwicklung des Frameshiftantriebs hatte das Leben im vom Menschen besiedelten Raum von Grund auf verändert: Er erleichterte den Zugang zu Gütern und das interstellare Reisen, ursprünglich isolierte Kulturen und Gesellschaften öffneten sich für die Außenwelt. Der alte Groll zwischen Imperium und Föderation begann langsam abzuebben.

Hengist schien sich den vielen Veränderungen nicht widersetzen zu wollen. Er versuchte stattdessen, die Stabilität des Imperiums so gut wie möglich zu wahren. Dieser bedächtige Regierungsstil war den harten Traditionalisten ein Dorn im Auge, die Hengist für kurzsichtig, gleichgültig und selbstzufrieden hielten.

Im Jahr 3238 nahm Hengist Anthea Viola Lampeter zur Frau. Es war eine arrangierte Ehe, geplant in seiner Kindheit von seinem mittlerweile verstorbenen Vater. Trotz des Medienrummels und der opulenten, nahezu hysterischen Feierlichkeiten im gesamten imperialen Raum war kaum zu übersehen, dass die Eheleute wenig Zuneigung füreinander empfanden. Es war ein offenes Geheimnis, dass die Ehe allein aufgrund optimaler genetischer Kompatibilität arrangiert wurde, und dass Hengist nicht hätte ablehnen können, ohne das Andenken seines Vaters zu beleidigen. Die Ehe war wie zu erwarten unglücklich, und Hengist verbrachte viel Zeit mit seinem Jugendfreund Aristide de Lavigny und seiner Frau Florence in ihrem Anwesen auf Achenar.

Aufrührerische Traktate aus jener Zeit zeichnen ein wenig vorteilhaftes Bild von der imperialen Herrscherfamilie und ihren adligen Gefolgsleuten: Moralisch haltlose Libertins, die sich ihren erotischen Abenteuern widmen und ausgedehnte Ferien genießen, während der Senat die Arbeit der Regierungsgeschäfte übernimmt. Das skurrilste Gerücht war sicher, dass der genetische Code der Duvals durch jahrhundertelange Interferenzen verdorben worden wäre, und man nun einen Nachfolger finden müsse, der ,reinen Blutes' sei.

Die Geburt von Hengists Erben, Prinz Harold, brachte alle Skeptiker jedoch vorläufig zum Schweigen. Eine sorgfältig inszenierte Fotoserie mit Hengist und dem damals neunjährigen Harry zeigt Vater und Sohn bei einem Ausritt auf Achenar, beim Speerwerfen, der Debatte einiger Senatoren lauschend und bei den Vorbereitungen zu einem Fest. Die Fotoserie war klar darauf ausgelegt, den imperialen Werten zu huldigen, und sie verfehlte ihr Ziel nicht. Jahrelang galt Prinz Harold als Liebling des gesamten Imperiums und als Symbol der Hoffnung. Das rege Interesse der Medien am Leben des Prinzen wird heute teilweise auch für seinen Absturz verantwortlich gemacht. Das ganze Reich konnte schließlich mitverfolgen, wie er sich zum notorischen Frauenheld und Lebemann entwickelte, der schließlich aufgrund psychischer Probleme von der Thronfolge ausgeschlossen wurde.

Als Hengists Leben sich dem Ende zuneigte, stellte sich heraus, dass Arissa Lavigny-Duval, die Tochter von Florence Lavigny, in Wahrheit sein Kind war. Hengist wollte ihren Anspruch auf den Thron untermauern, indem er Florence heiratete und Arissa damit legitimierte. Bevor es so weit kam, wurde er jedoch ermordet.

Was man Imperator Hengist bis heute vorwirft, ist, dass er es versäumte, für die Zukunft vorauszuplanen. Und tatsächlich sorgt die Frage der Thronfolge bis heute für Spannungen.

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